Der Begriff Ethik hat mit Religion nichts zu tun und
umgekehrt. Seit Plato ist Ethik die Lehre vom „sittlichen Denken & Handeln". Das
Schulgesetz fordert die Vermittlung von „sittlichen, religösen und sozialen
Werten": es wird zwischen „religiös" und ethisch differenziert. Daher ist jeder
Unterricht auch Ethikunterricht, wie etwa die schulische Erziehung zu
Grundwerten wie Pünktlichkeit und Verlässlichkeit.
Der „religiöse" Unterricht wird im Schulgesetz gefordert. Daß
damit „Glaubensunterricht" gemeint ist, steht nirgends. Faktum ist, dass heute
ein Teil der Menschenheit sich von der Religion abwendet, während gelebter
Glaube für andere immer lebensbestimmender wird – Stichwort religiöser
Fundamentalismus. Die Konflikte, die durch dieses Spannungsverhältnis entstehen,
machen das „Kundigsein" in religiösen Fragen zu einem Muß, um die Welt
einigermaßen zu verstehen.
Gefragt ist ein konfessionell ungebundener Unterricht in
allgemeiner Religionskunde. Und zwar ganz besonders auch für Schüler, die
schulischen „Glaubensunterricht" erhalten. Misstrauen ist angesagt, wenn
Angehörige von Konfessionen über andere Religionen informieren: gläubig zu sein
bedeutet zu werten. Man wertet die eigene Konfession höher – sonst würde man ihr
nicht angehören. Objektivität ist nicht möglich. Sinn dieses Unterrichtes wäre
es, durch nicht wertende Vermittlung von Information Verständnis für andere zu
erzeugen. Ich habe in 12 Jahren katholischem Religionsunterrichts nie gehört,
dass das „Schema Israel", das Glaubensbekenntnis der Juden, nichts beinhaltet,
woran nicht auch Christen glauben!
Wer soll nun den konfessionell ungebundenen Unterricht in
Religionskunde abhalten? Religionslehrer, die zum Glaubensunterricht ausgebildet
sind, sind dazu wohl kaum prädestiniert. Es drängt sich eine Reformsynergie mit
dem Geschichteunterricht auf, der sich ebenfalls in Diskussion befindet –
Stichwort: ist es sinnvoll, jahrelang in der grauen Vergangenheit
„herumzuwühlen"? Der Ansatz sollte sein, das Fach „Geschichte" auf den Kopf zu
stellen und als „Gegenwartskunde" anzulegen, die sich mit dem Heute beschäftigt
und in die Geschichte zurückblickt, um Phänomene der heutigen Zeit anhand
historischer Analogien verstehen zu lernen.
Da religiöse Phänomene die heutige Zeit prägen, wird die
Ausbildung der Lehrer des obligaten Faches „Gegenwartskunde" religionsbezogenen
Fragen breiten Raum widmen, der Unterricht, den diese LehrerInnen dann halten
werden ebenso.
Und der Ethikunterricht? Halten wir es mit Pestalozzi:
„Erziehung ist Liebe und Vorbild". Liebe kann man nicht erzwingen, Vorbild in
ethischer Hinsicht dagegen kann jeder sein.