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Ethik- und Geschichteunterricht:
Eine Chance zur Synergie!

Ernst SMOLE

Der Begriff Ethik hat mit Religion nichts zu tun und umgekehrt. Seit Plato ist Ethik die Lehre vom „sittlichen Denken & Handeln". Das Schulgesetz fordert die Vermittlung von „sittlichen, religösen und sozialen Werten": es wird zwischen „religiös" und ethisch differenziert. Daher ist jeder Unterricht auch Ethikunterricht, wie etwa die schulische Erziehung zu Grundwerten wie Pünktlichkeit und Verlässlichkeit.

Der „religiöse" Unterricht wird im Schulgesetz gefordert. Daß damit „Glaubensunterricht" gemeint ist, steht nirgends. Faktum ist, dass heute ein Teil der Menschenheit sich von der Religion abwendet, während gelebter Glaube für andere immer lebensbestimmender wird – Stichwort religiöser Fundamentalismus. Die Konflikte, die durch dieses Spannungsverhältnis entstehen, machen das „Kundigsein" in religiösen Fragen zu einem Muß, um die Welt einigermaßen zu verstehen.

Gefragt ist ein konfessionell ungebundener Unterricht in allgemeiner Religionskunde. Und zwar ganz besonders auch für Schüler, die schulischen „Glaubensunterricht" erhalten. Misstrauen ist angesagt, wenn Angehörige von Konfessionen über andere Religionen informieren: gläubig zu sein bedeutet zu werten. Man wertet die eigene Konfession höher – sonst würde man ihr nicht angehören. Objektivität ist nicht möglich. Sinn dieses Unterrichtes wäre es, durch nicht wertende Vermittlung von Information Verständnis für andere zu erzeugen. Ich habe in 12 Jahren katholischem Religionsunterrichts nie gehört, dass das „Schema Israel", das Glaubensbekenntnis der Juden, nichts beinhaltet, woran nicht auch Christen glauben!

Wer soll nun den konfessionell ungebundenen Unterricht in Religionskunde abhalten? Religionslehrer, die zum Glaubensunterricht ausgebildet sind, sind dazu wohl kaum prädestiniert. Es drängt sich eine Reformsynergie mit dem Geschichteunterricht auf, der sich ebenfalls in Diskussion befindet – Stichwort: ist es sinnvoll, jahrelang in der grauen Vergangenheit „herumzuwühlen"? Der Ansatz sollte sein, das Fach „Geschichte" auf den Kopf zu stellen und als „Gegenwartskunde" anzulegen, die sich mit dem Heute beschäftigt und in die Geschichte zurückblickt, um Phänomene der heutigen Zeit anhand historischer Analogien verstehen zu lernen.

Da religiöse Phänomene die heutige Zeit prägen, wird die Ausbildung der Lehrer des obligaten Faches „Gegenwartskunde" religionsbezogenen Fragen breiten Raum widmen, der Unterricht, den diese LehrerInnen dann halten werden ebenso.

Und der Ethikunterricht? Halten wir es mit Pestalozzi: „Erziehung ist Liebe und Vorbild". Liebe kann man nicht erzwingen, Vorbild in ethischer Hinsicht dagegen kann jeder sein.

 
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