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W. G. Sebald
München: Carl Hanser Verlag 2001
424 Seiten, Abbildungen, gebunden, DM 46/öS 336
/sFr 42, 20
ISBN 3-446-19986-1
Die Hauptgestalt des Prosabuches - in einem Interview
mochte G. W. Sebald sein Werk keinen Roman nennen (Der Spiegel,
Nr.11/2001) - ist Jacques Austerlitz, ein sechzigjähriger
Mann, der im Alter von viereinhalb Jahren mit einem Kindertransport
aus Prag nach Großbritannien kam. In einer kleinen walisischen
Stadt wuchs er bei Zieheltern auf, die ihm aber seine jüdische
Herkunft verheimlichten. Nach dem Tod seiner Frau landete der Ziehvater,
ein calvinistisch-fundamentalistischer Pastor, in einem Irrenhaus.
Als Erwachsener gerät Jacques Austerlitz in eine Krise und
möchte seine Wurzeln suchen. Er reist nach Prag und trifft
dort sein früheres Kindermädchen, durch die er Informationen
über seine Mutter - einer Schauspielerin, deren Spuren sich
in Theresienstadt verlieren - bekommt. Sein Vater war ein sozialdemokratischer
Politiker, der kurz nach dem Einmarsch der Deutschen in Prag noch
den Absprung nach Paris geschafft hatte, wo er aber spurlos verschwand.
Jacques Austerlitz erkennt immer mehr, warum er sich als Fremder
unter den Menschen fühlt.
Mit diesem Werk erregte W. G. Sebald, der 1944
im Allgäu geboren wurde und als Dozent in Norwich (Großbritannien)
lehrt, einiges Aufsehen. In einer "altmodisch" anmutenden,
verschnörkelten Sprache mischt er Dokumentation mit Fiktion,
verarbeitet aus verschiedenen Biographien die zutiefst europäische
Lebensgeschichte eines Entwurzelten. Eingestreute Photos von alltäglichen
Situationen, aber auch von Bauwerken, Landschaften, erklären
Geschichte und Stimmungen.
In der Frühjahrs-Literaturbeilage zur Leipziger
Buchmesse 2001 des Rheinischen Merkurs (Nr. 12; 23. 3. 2001)
schrieb Wieland Freund: "Man stelle sich Thomas Bernhard vor,
aber mit weniger Wut und mehr Mitgefühl. Auf Sebald würde
diese Beschreibung passen. (...) Die Not, das Elend, die Unausweichlichkeit
und die ungeleugnete Wichtigkeit des Daseins: Das Projekt des Thomas
Bernhard schreibt W.G. Sebald auf seine ureigene Art fort. Der große
Auslöscher hat einen ebenbürtigen Nachfolger gefunden.
In einem Sammler."
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