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ENTEIGNUNG DER JUDEN
Monika Kaczek

Wunder der Wirtschaft. Erbe der Deutschen.
Wolfgang Mönninghoff
Hamburg/Wien: Europa Verlag 2001
304 S., mit Abbildungen, gebunden mit Schutzumschlag
€ 20,50 / SFR 32,00
ISBN 3-203-80075-6

Im Jahre 1933 gründete Emil Oprecht den Europa Verlag in Zürich, um Werke von in Deutschland verbotenen und exilierten AutorInnen zu veröffentlichen. Seither sind im Verlag eine Reihe von Publikationen zum Thema Nationalsozialismus erschienen, unter anderem von Wolfgang Mönninghoff. Der Autor (geboren 1940 in Düsseldorf) ist seit 1985 als freier Autor und Produzent für das Fernsehen zuständig. Im Vorwort dieses Buches beschriebt er, dass es aus Zorn entstand: Ein Journalist der Welt am Sonntag schrieb 1999 eine Lobpreisung auf den Kaufhauskönig Helmut Horten, wobei im Artikel mit keinster Weise erwähnt wurde, dass Horten ein rücksichtsloser "Arisierer” war. Auch bei einer Feier des Versandhauses Quelle im Jahre 1995 wurde über die Jahre 1933 bis 1945 "taktvoll geschwiegen”.

Im Kapitel "Der Staat als Hehler" schildert Mönninghoff, wie leicht es der Staat seinen BürgerInnen gemacht hat, sich "jüdisches Vermögen" mit Hilfe der örtlichen und regionalen Behörden anzueignen. Die Liste der "arisierten" Warenhäuser ist lang und noch heute bekannte Namen, wie Tietz und Schocken, tauchen auf. Und wer kennt nicht den Slogan "Neckermann macht’s möglich!"? In ihrem preisgekrönten Dokumentarfilm Die Akte Joel - Die Geschichte zweier Familien (Deutschland/Österreich 2001) schildert die Regisseurin Beate Thalberg den Aufstieg der Neckermanns. Im Jahr 1928 gründete der Großvater des in Österreich lebenden Dirigenten Alexander Joel und dessen Halbbruders, des Popstars Billy Joel, in Nürnberg einen florierenden Textilversandhandel. Diesen mußte er aber schon zehn Jahre später "verkaufen", ohne auch nur eine Reichsmark zu erhalten. Während die jüdische Familie über die Schweiz nach Amerika floh, bezog Josef Neckermann die Villa der Joels, machte ganz große Karriere und wurde zu einem der Kapitäne des deutschen Nachkriegswirtschaftswunders.

Nach der Annexion Österreichs 1938 funktionierte auch dort das System des Unrechts äußerst schnell. Der Gewalt auf der Straße folgten Gesetze und Verordnungen. Allein durch Wohnungsraub kam beinahe eine Viertelmillion WienerInnen zu neuen Unterkünften. Firmen wie Gerngroß und Delka wurden "arisiert". Im August 1938 verkündete die CA, dass Management und Aufsichtsrat rein "arisch" besetzt seien. Am Kunstraub waren sogar renommierte Institutionen wie das Dorotheum beteiligt.

Viele Opfer machten auch nach dem Krieg bittere Erfahrungen. Der Fall einer "Widergutmachungs"-angelegenheit einer Jüdin aus dem Jahre 1961 zeigt dies deutlich. Nach der Ermordung ihrer Eltern im August 1945, wollte die Frau wieder in ihr früheres Heimatdorf zurückkehren. Als sie versuchte, wenigstens den versteigerten Hausrat wieder zu erhalten, wurde sie vom Oberfinanzpräsidenten gerügt, indem er sie auf das gesetzliche Verfahren hinwies: schließlich hätten die "arischen" Erwerber das Gut offiziell erworben. Sie hatten also "das gute Gewissen des ehrbaren deutschen Kaufmanns".

In seinem Schlußwort schreibt Mönninghoff eindringlich: "Für die Sünden der Väter kann meine Generation nicht einstellen, für diese Republik aber ist sie verantwortlich. Und deshalb dieses Buch, um so den Zorn produktiv zu machen".

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