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Der Iran – Antisemitismus & Aufrüstung
Stephan GRIGAT
Vortrag und Diskussion mit Wahied
Wahdat-Hagh,
Einleitung und Moderation: Stephan Grigat.
19. Juni 2006, 19:00,
Volkshochschule Hietzing, Hofwiesengasse 48, 1130 Wien.
Nach der Wahl Mahmoud Ahmadinejads zum Präsidenten der
Islamischen Republik Iran hat sich die politische Landschaft der
vorderasiatischen Regionalmacht stark verändert: das endgültige Scheitern der
Bestrebungen auf dem Wege institutioneller Teilnahme demokratische Reformen
durchzusetzen wurde offenbar. Mit Ahmadinejad übernahm eine Clique ehemaliger
Weggefährten der „Revolutionary Guards", die in der Islamischen Revolution von
1979 und den darauf folgenden Jahren eine wichtige militärische Rolle spielten,
die Schlüsselpositionen im iranischen Herrschaftsapparat. Diese ideologischen
Hardliner versuchen nun im Iran eine „Zweite Islamische Revolution" auf den Weg
zu bringen, was in seiner Radikalität selbst beim konservativen schiitischen
Klerus auf Widerstände stößt.
Trotz der Beteuerungen Irans, sein Atomprogramm diene
ausschließlich zivilen Zwecken, gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass der Bau
von Nuklearwaffen geplant ist. Atomwaffen in der Hand eines islamistischen
Regimes, dessen ideologische Grundsätze die Vernichtung Israels beinhaltet,
bedeuten eine neue Qualität der Bedrohung, zumal die Hemmschwellen mit dem
Verbalradikalismus Ahamdinejads zu sinken drohen. Mittlerweile ist das
Atomprogramm des Iran weit fortgeschritten und die europäischen
Verhandlungsbemühungen wurden von iranischen Politikern öffentlich als eine
Verlängerung des Zeitfensters für die Fertigstellung der atomaren Anlagen
goutiert. In Israel wird die nukleare Aufrüstung und die aggressive
antiisraelische Rhetorik des Iran als existenzielle Bedrohung wahrgenommen.
Die aggressive Frontstellung nach außen findet auch ihre
Entsprechung im Inneren. Verstärkt achten die Sicherheitskräfte des Regimes auf
die Einhaltung islamischer Tugenden und setzen die sexuelle Zwangsmoral
repressiv durch. In den vergangenen Monaten wurden mehrere Todesurteile gegen
Jugendliche vollstreckt, denen homosexuelle Handlungen vorgeworfen wurden. Nicht
nur auf die Inanspruchnahme privater Freiheiten reagiert das Regime mit
äußerster Härte, auch selbstorganisierte Arbeitskämpfe werden in der Islamischen
Republik, in der unabhängige Gewerkschaften verboten sind, brutal unterdrückt.
Das Ziel des aktuellen Regimes ist eine am islamischen Ideal formierte
Gesellschaft, in der auf individuelle Freiheit und ökonomischen Wohlstand
bereitwillig verzichtet werden soll, um dem nationalen Ziel der Einigung der
islamischen Umma unter schiitischen Vorzeichen und der Vernichtung des jüdischen
Staates zu dienen. Die Brandrede Ahmadinejads auf der Konferenz „The World
without Zionism", in der er die Auslöschung Israels forderte, war nur ein
Ausdruck davon .
Wahied Wahdat-Hagh, lebt in Deutschland. Seine Familie kommt
aus dem Iran. Er ist seit 2003 im Berliner Büro des Middle East Media
Research Institute für Monitoring und Analyse der iranischen Medien
zuständig. Er war Lehrbeauftragter an mehreren deutschen Universitäten und
engagierte sich in der 3. Welt-, Menschenrechts-, Gewerkschafts- und
Antirassismusarbeit. Sein Buch „Die Islamische Republik Iran. Die Herrschaft des
politischen Islam als eine Spielart des Totalitarismus" ist 2003 im Lit-Verlag
erschienen.
Eine Veranstaltung von Café Critique und der Studienvertretung
Politikwissenschaft/Universität Wien in Kooperation mit der VHS Hietzing,
unterstützt von Österreichisches-israelisches Dialogforum, Redaktion DAVID,
Redaktion NU, www.juedische.at, http://www.cafecritique.priv.at
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